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Kompetenzzentrum rund um das Sehen

In diesem Projekt tauschen sich Fachleute aus Ungarn, Kroatien, Belgien, den Niederlanden und Deutschland über psychische Probleme und Erkrankungen bei Menschen mit Sehbeeinträchtigungen aus. Jedes der insgesamt 5 Treffen hat als spezielles Thema eine spezielle Erkrankung oder Erkrankungsgruppe im Fokus. Es werden Herausforderungen und Probleme bezüglich der psychologischen Diagnostik, der Low-Vision-Diagnostik, der lebenspraktischen Fertigkeiten und der interdisziplinären Zusammenarbeit aus der eigenen Erfahrung und der gemeinsamen Diskussion von Fällen besprochen, Lösungen diskutiert und Best-Practice-Ansätze geteilt.

Vom 5. bis 6. Mai trafen sich die Teilnehmer dieses letzten Treffens im Projekt im Berufsförderungswerk Halle in Deutschland. Schwerpunktthema waren diesmal Depressionen und Angsterkrankungen.

Depressionen und Angsterkrankungen – eine Herausforderung der Diagnostik bei Menschen mit Sehbeeinträchtigung

In interessanten Fall Diskussionen, Reflexionen und Präsentationen über die Besonderheiten dieser beiden Erkrankungsgruppen bei Menschen mit Sehbeeinträchtigungen stellte sich schnell heraus, dass es hier besonders herausfordernd ist, zwischen einer Depression und einer normalen Trauerreaktion aufgrund des Sinnesverlustes oder eines normalen Anpassungsverhaltens zu unterscheiden. Genauso schwierig ist es eine Angsterkrankung von den reellen Befürchtung eines sehbeeinträchtigten oder blinden Menschen zu unterscheiden. Notwendig ist immer, den individuellen Kontext der Person und die Funktion des gezeigten Verhaltens zu berücksichtigen und zu hinterfragen. Dazu diskutierten wir die Angemessenheit von Screeningsverfahren, stellten heraus, dass das diagnostische Interview der Goldstandard ist, jedoch fundiertes Wissen über blinde und sehbehinderte Menschen vorhanden sein muss und kristallisierten letztendlich einfach zu handhabende Checklisten heraus, welche bei der Entscheidungsfindung helfen sollen.

Der Einfluss Angst und Depressionen auf die Low-Vision-Diagnostik

In der praktischen Demonstration von diagnostischen Herangehensweisen und Untersuchungen an Geräten diskutierten wir in Kleingruppen die besonderen Herausforderungen, welche die Low-Vision-Diagnostik bei Menschen mit Depressionen und Angsterkrankungen mit sich bringt. Gerade die Verknüpfung mit den praktischen Herangehensweisen erwies sich als besonders hilfreich für das Verständnis.

Ein kleiner Blick zurück – ein neuer Fokus auf Psychosen und Persönlichkeitsstörung

Wie sehr wir uns selbst in diesem Projekt weiterentwickelt haben und was wir lernten, merkten wir insbesondere, als wir eine Feedbackschleife zu unserem allerersten Thema des Projektes machten. Im Laufe des Projektes gelang es uns zunehmend die Wechselwirkungen und Besonderheiten in der Diagnostik bei den einzelnen Erkrankungsgruppen zu erkennen und zu fokussieren. Rückblickend wurde uns klar, dass uns dies nicht bei allen Treffen im gleichen Ausmaß gelang, wie aktuell. Deshalb griffen wir noch einmal das Thema Psychosen und Persönlichkeitsstörung auf und trugen unsere Erafhrungen und Best-Practice-Ansätze in einem Worldcafé zusammen.